Corona & SDGs

Die Corona-Krise hat und wird unseren Alltag verändern. Diesen Blog-Beitrag schreibe ich gerade im Homeoffice mit der Erkenntnis, dass Telefonkonferenzen und virtuelle Meetings erstaunlich schnell zur Routine geworden sind. Wenn auch der persönliche Kontakt und der rege Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen fehlt.

In diesem Blog-Beitrag wollen wir aufzeigen, wie die aktuelle Lage in Verbindung mit den SDGs steht. Denn man erkennt ganz gut, wie bedeutend diese globalen Ziele in der aktuellen Krisensituation sind. Die Zusammenhänge aufzuzeigen scheint uns besonders wichtig, um nach der Krise weiter an einer nachhaltigen Entwicklung arbeiten zu können.

Foto: Syaibatul Hamdi by pixabay

Der erste Blick geht natürlich Richtung SDG 3 „Gesundheit und Wohlergehen“, denn der Corona-Virus zeigt auf, wie wichtig eine grundlegende Gesundheitsversorgung für uns alle ist. Hier bei uns, aber natürlich auch in Ländern des globalen Südens, die häufig mit Epidemien oder bspw. Tropenkrankheiten zu kämpfen haben.

Wie schnell sich der Zugang zu „hochwertiger Bildung“ (SDG 4) verändern kann zeigen die Zahlen der UNESCO, demnach gibt es Ende März mehr als 1,3 Milliarden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene die aufgrund des Corona-Virus Schulen oder Universitäten nicht mehr besuchen können. Studien (u.a. PISA-Studie) zeigen, dass Kinder aus sozial benachteiligten Schichten gegenüber Kindern aus anderen Schichten weniger Bildungserfolg haben (SDG 1  – “keine Armut”). Wird sich dieser Effekt durch das „Homeschooling“ verstärken? Haben alle Kinder und Jugendliche in Österreich Zugang zu den notwendigen digitalen Instrumenten und können alle Eltern die notwendige Unterstützung geben, die ihre Kinder bräuchten um die gestellten Aufgaben erfolgreich bearbeiten zu können?

Ein Aspekt, der uns lang über die Corona-Krise hinweg beschäftigen wird, sind die Auswirkungen auf die Wirtschaft (Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum – SDG8) . Eine glaubwürdige wirtschaftliche Analyse würde unsere Kompetenzen übersteigen. Die KollegInnen von FAIRTRADE Österreich haben sich den entwicklungspolitischen Aspekt näher angesehen und sehr anschaulich die direkten und indirekten Auswirkungen des Wirtschaftseinbruchs im globalen Norden auf die Entwicklungsländer aufgezeigt: „Rund 1,7 Millionen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie Beschäftigte auf Plantagen produzieren derzeit zu FAIRTRADE-Bedingungen Kaffee, Kakao, Bananen, Baumwolle und vieles mehr. Sollten sie in den kommenden Monaten und Jahren hohe Einkommenseinbußen haben, sind sehr viele Existenzen in Afrika, Asien und Lateinamerika akut bedroht. Die Lebensgrundlage von jenen Menschen, die hart für unseren täglichen Genuss arbeiten und die ohnehin schon zu den wirtschaftlich schwächsten Mitgliedern der Weltbevölkerung zählen, bricht weg. Armut, Hunger und Krankheit sind dann die unausweichlichen Folgen. Darum gilt es jetzt mehr denn je nicht nur national zusammen zu stehen, sondern auch globale Solidarität zu leben.“ Auch anhand von TextilarbeiterInnen kann man klar erkennen, welche Probleme prekäre Arbeitsbedingungen mit sich bringen.

Viele Menschen nehmen Krisen als Anlass, Gewohnheiten zu ändern, neues Auszuprobieren oder sehen die Chance gesellschaftliche Veränderungen zu initiieren. So gehen junge Menschen für ältere Personen einkaufen, es finden digitale Meetings statt persönliche Treffen statt und der Lesestoff für die Quarantäne wird vom Buchhändler ums Eck geliefert. Im Sinne der SDGs ist es jetzt natürlich wichtig, vor allem Unternehmen, die nach sozialen Standards und im Einklang mit der Umwelt wirtschaften zu unterstützten. Es gibt bereits viele Link-Sammlungen, einige davon haben wir euch hier zusammengefasst:

Foto: Markus Spiske by unsplash

Zuletzt gilt es natürlich den Blick nach vorne zu richten: Was werden wir aus der Krise lernen?

  • Erkennen wir, dass nicht für jedes Meeting quer durch Europa geflogen werden muss?
  • Erinnern wir uns daran, die Erdäpfel wieder beim Bauern in der Gemeinde bzw. Region zu kaufen?
  • Schätzen wir Berufe wie Lehrkräfte, Pflegepersonal, landwirtschaftliches Fachpersonal und VerkäuferInenn im Lebensmittelhandel wieder mehr? Und wird SDG 5 „Geschlechtergleichheit“ endlich Realität und diese Menschen, zum Großteil Frauen, werden gerecht entlohnt?
  • Schaffen wir es das Wirtschaftswachstum von den Treibhausgas-Emissionen zu entkoppeln, indem wir erkennen, dass nicht nur das Corona-Virus, sondern auch die Klimakrise komplexe Zusammenhänge aufweisen und es dafür radikale Veränderungen braucht?

Wenn wir auch all diese Fragen erst in Zukunft beantworten werden können ist für uns eines ganz klar: Die Corona-Krise zeigt auf, wie wichtig und richtig diese 17 globalen Ziele sind.

Interessante Infografiken zum Thema Covid 19 in Afrika

Kommentar von SDG-Watch Austria: COVID-19 und die SDGs: Nicht zurück zum Status Quo

Foto: UNDESA