Gleichstellung

In Österreich ist die Geschlechtergleichstellung weit fortgeschritten, aber noch längst nicht vollständig erreicht. Erste Maßnahmen wurden hierzulande schon früh getroffen. Frauen dürfen beispielsweise seit 1918 wählen – hier war Österreich eines der Vorreiterländer in Europa.

Anders zeigt sich die Situation bei Führungspositionen. In 13 der 58 österreichischen Börsenunternehmen sind Frauen im Vorstand vertreten – insgesamt sind nur 14 der 191 Vorstandspersonen in Österreich weiblich. Zur Verdeutlichung: In unseren Vorständen sitzen weniger Frauen als Männer, die Andreas heißen. Chefinnen bleiben also leider weiterhin die Ausnahme. Außerdem verdienen Frauen im Durchschnitt deutlich weniger als Männer – satte 19,3 %, um genau zu sein. Oder anders ausgedrückt: Im Jahr 2020 arbeiteten Frauen in Österreich im Durchschnitt ab dem 22. Oktober unbezahlt, und verdienten so über 10.000 Euro weniger als Männer!

Weltweite Ziele:

Die Vereinten Nationen möchten mit dem SDG 5 alle Frauen und Mädchen – in Entwicklungsländern und in entwickelten Ländern – zur Selbstbestimmung befähigen und die Geschlechtergleichstellung im wirtschaftlichen, politischen, öffentlichen und privaten Leben erreichen. Deshalb sind in der Agenda 2030 folgende Unterziele verankert:

  • Diskriminierung von Frauen und Mädchen überall beenden
  • Gewalt gegen Frauen und Mädchen beseitigen
  • Kinder- und Zwangsheirat sowie Genitalverstümmelung bei Frauen und Mädchen beseitigen
  • Geteilte Verantwortung innerhalb des Haushalts und der Familie anerkennen
  • Chancengleichheit für Frauen bei der Übernahme von Führungsrollen sicherstellen
  • Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheit für alle gewährleisten
  • Gleiche Rechte auf wirtschaftliche Ressourcen schaffen
  • Nutzung von Grundlagentechnologien verbessern, um Selbstbestimmung der Frauen zu fördern
  • Rechtsvorschriften zur Förderung der Gleichstellung und Selbstbestimmung durchsetzen

Neben den moralischen Grundsätzen, gibt es noch viele weitere gute Gründe, die für eine Gleichstellung sprechen. So haben Untersuchungen gezeigt, dass gemischte Teams kreativer, zielorientierter und transparenter arbeiten. Denn Frauen bringen oft andere Perspektiven oder Fragestellung mit ein. Das gilt für Unternehmen, genauso wie für politische Gremien oder private Gruppierungen. Weiters konnte in einer Studie des Wifo gezeigt werden, wie sich Geschlechtergleichstellung positiv auf das ökonomische Wachstum eines Landes auswirkt.

Gleichstellung und Klimaschutz:

Die Klimakrise betrifft grundsätzlich alle Menschen. Vor allem in den Ländern des Globalen Südens sind es aber Frauen, die besonders von den Folgen der Krise betroffen sind. Sie sind aufgrund ihrer traditionellen gesellschaftlichen Rolle oft in einer schwächeren Position, arbeiten häufig in der Landwirtschaft und kümmern sich um Haushalt und Familie. Frauen und Mädchen sind in vielen Entwicklungsländern verantwortlich für die Wasser- und Nahrungsversorgung. Durch zunehmende extreme Trockenheit und Dürren erhöht sich ihr Arbeitsaufwand. Oft müssen junge Mädchen ihre schulische Ausbildung abbrechen, da sie als Arbeiterinnen gebraucht werden.

In Österreich ist das Konsumverhalten ein wichtiger Faktor, der zu einer unterschiedlichen Klimabilanz der Geschlechter führt. Männer essen im Schnitt deutlich mehr Fleisch als Frauen. Schnelle Autos und die neuesten technischen Geräte werden auch eher mit einem „männlichen“ Bild verbunden, während Frauen eher Mode und Make-up zugesprochen wird, um einem bestimmten Ideal zu entsprechen. Frauen sind in der Regel umweltbewusster und öfter bereit, ihre Ernährung umzustellen, weil sie oftmals genau mit dieser Einstellung erzogen werden: wenig zu fordern. Hierzulande sind es überwiegend Frauen, die den Wandel vorantreiben: So sind etwa 70 % der Fridays For Future Unterstützer*innen in Österreich weiblich. Sie sind es, die etwas bewirken.

Wer also von Gleichstellung spricht, muss auch auf die Herausforderungen der Klimakrise eingehen. SDG 5 (Gleichstellung) und SDG 13 (Klimaschutz) sind damit eng verwoben. COVID-19 hängt ebenfalls eng mit dem SDG 5 (Gleichstellung) zusammen. Die wichtigsten Berufsgruppen in dieser Krise (u. a. Pflegekräfte, Supermarktpersonal) sind häufig Frauen, gleichzeitig werden diese systemrelevanten Berufe meist tendenziell schlecht bezahlt, weltweit verschärfen sich genderspezifische Ungleichheiten. Mehr dazu – und warum Corona zu mehr Gewalt an Frauen führt – liest du in unserem Blog-Beitrag .

Gleichstellung in Niederösterreich:

Das Land Niederösterreich versucht die unterschiedlichen Lebenssituationen und Bedürfnisse von Frauen und Männern in politische Entscheidungen miteinzubeziehen. Seit 1997 gibt es ein NÖ Gleichbehandlungsgesetz und 2002 erfolgte das Bekenntnis zur Umsetzung der Strategie Gender Mainstreaming. Für Niederösterreich trägt Dr.in Sabine Hilbert dieses Amt mit großer Achtung:

Als Anhängerin des Konstruktivismus möchte ich gerne Geschlechterkonstruktionen vom umhüllenden, Schleier der Wirklichkeit’ entblößen und zeigen, um wie viel freier Männer und Frauen in einer Gesellschaft mit Gleichstellung der Geschlechter leben könnten. Wir haben alle viel zu gewinnen!“.

Weltweite Zahlen zum Veranschaulichen:

  • Weltweit werden jedes Jahr 15 Millionen Mädchen unter 18 zur Heirat gezwungen und mindestens 200 Millionen Frauen und Mädchen in 31 Ländern durchleben eine Genitalverstümmelung. Diese Menschenrechtsverletzungen haben eine Vielzahl negativer Folgen für Frauen und Mädchen. Eine frühe Heirat ist mit einer verringerten Chance auf Bildung und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von risikobehafteten Teenagerschwangerschaften verbunden, was häufig zu Komplikationen bei der Geburt und hohen Müttersterblichkeitsraten führt. Weibliche Genitalverstümmelung ist eine grausame Verletzung der körperlichen Unversehrtheit von Frauen und Mädchen, die zum Teil durch Stereotype über Geschlecht und geschlechtsspezifische Rollen und dem Versuch motiviert ist, den Körper und die Sexualität von Frauen und Mädchen zu kontrollieren.
  • Physische und sexuelle Gewalt gegen Frauen: Zwischen 2005 und 2017 wurde in 106 Ländern eine Umfrage durchgeführt. Diese ergab, dass 18% der Frauen und Mädchen zwischen 15 und 49 Jahren, die jemals in einer Partnerschaft waren, in den 12 Monaten vor der Befragung derartige Gewalt durch einen aktuellen oder ehemaligen Intimpartner erfahren haben.
  • Weltweit konnte der Anteil an Frauen in nationalen Parlamenten im Zeitraum 2000 bis 2019 mit einer Steigerung von 11,2 % deutlich erhöht werden. Trotzdem war Ende 2019 noch immer nicht einmal jeder vierte Parlamentssitz von einer Frau besetzt. Der Frauenanteil lag gerade einmal bei 24,5 % (29,6 % in Europa). Ähnlich zeigt sich die Situation bei Führungskräften. Weltweit ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen nicht einmal ein Drittel (Daten von 67 Staaten im Zeitraum 2009 bis 2015).

Quellen: